30. Mai 2026

Wie wir bilden

Bildung in Jugendverbänden bedeutet Lernen im gemeinsamen Tun. Junge Menschen lernen dort nicht nur in Seminaren oder Schulungen,
sondern vor allem in Gruppenstunden, Freizeiten, Projekten, Gremien, Leitungsteams, Aktionen und demokratischen Entscheidungsprozessen.

Dabei ist Bildung in Jugendverbänden freiwillig, erfahrungsbezogen, gemeinschaftlich und lebensweltnah.
Sie entsteht dort, wo junge Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen,
Interessen aushandeln, Konflikte lösen, Gruppen gestalten und sich selbst als wirksam erleben.

Bildung in Jugendverbänden ist mehr als Schule

Bildung umfasst mehr als Unterricht, Ausbildung oder Studium. Sie beschreibt den Prozess, in dem
junge Menschen ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst, zu anderen und zur Welt entwickeln.
Dafür braucht es unterschiedliche Lernorte und Lerngelegenheiten.

Jugendverbände leisten dazu einen eigenständigen Beitrag. Sie schaffen Räume, in denen junge Menschen
ausprobieren, gestalten, Verantwortung übernehmen und demokratische Erfahrungen machen können.
Gerade diese Verbindung aus Freiwilligkeit, Gemeinschaft und praktischer Verantwortung macht
Jugendverbandsarbeit zu einem besonderen Bildungsort.

Wie Bildung in Jugendverbänden entsteht

Bildungsprozesse in Jugendverbänden entstehen oft im Alltag der Verbandsarbeit. Junge Menschen lernen,
weil sie selbst beteiligt sind, weil sie Entscheidungen mittragen und weil sie Verantwortung für sich,
für andere und für gemeinsame Vorhaben übernehmen.

  • bei Gruppenstunden, Freizeiten und Zeltlagern,
  • bei Projekten, Aktionen und Veranstaltungen,
  • in Gruppenleiterrunden, Leitungsteams und Jugendleiter:innenschulungen,
  • in Sport, Musik, Hilfs- und Rettungsdiensten, kirchlicher Jugendarbeit und Pfadfinden,
  • in Vorständen, Gremien, Facharbeitsgruppen und Beteiligungsprozessen,
  • bei demokratischen Entscheidungen innerhalb der eigenen Organisation.

Was junge Menschen durch Bildung in Jugendverbänden lernen

Jugendverbandsarbeit stärkt Kompetenzen, die junge Menschen in Schule, Ausbildung, Beruf,
Ehrenamt und Gesellschaft brauchen. Viele dieser Lernprozesse sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar,
prägen junge Menschen aber langfristig.

Teamfähigkeit

Junge Menschen lernen, in Gruppen zusammenzuarbeiten, andere einzubeziehen, gemeinsam Aufgaben zu lösen,
Rücksicht zu nehmen, Kritik anzunehmen und sich für andere einzusetzen.

Kommunikation

Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, Sachverhalte verständlich zu erklären, vor Gruppen zu sprechen,
Standpunkte zu vertreten, zuzuhören und Projekte zu präsentieren.

Konfliktlösung

Jugendverbände bieten überschaubare Räume, in denen Konflikte bearbeitet werden können:
Kompromisse finden, Streit schlichten, Perspektiven wechseln und Konflikte als Chance zur Veränderung begreifen.

Leitung und Verantwortung

Wer Gruppen leitet, Fahrten vorbereitet oder Aktionen organisiert, lernt Entscheidungen zu treffen,
Verantwortung zu übernehmen, andere zu motivieren, das eigene Leitungsverhalten zu reflektieren
und einen eigenen Leitungsstil zu entwickeln.

Organisation

In der Jugendverbandsarbeit werden Veranstaltungen, Projekte, Reisen, Gruppenstunden und Sitzungen geplant.
Dazu gehören Recherche, Aufgabenverteilung, Zeitplanung, Kommunikation, Materialplanung und Verbindlichkeit.

Selbstständigkeit und Flexibilität

Junge Menschen übernehmen Aufgaben, eignen sich Wissen an, finden eigene Positionen,
reagieren auf neue Situationen und lernen, auch unter ungewohnten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Leistungsbereitschaft

Zuverlässigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit und Verbindlichkeit werden in der praktischen Arbeit gestärkt.
Junge Menschen erleben, dass gemeinsame Vorhaben nur gelingen, wenn Aufgaben übernommen und Absprachen eingehalten werden.

Praktische und kreative Kompetenzen

Außerdem eröffnet Jugendverbandsarbeit viele praktische Lernfelder: Texte schreiben, Protokolle verfassen,
Öffentlichkeitsarbeit gestalten, mit digitalen Werkzeugen arbeiten, Websites pflegen, Materialien erstellen,
Gruppenmethoden anwenden, Erste Hilfe leisten, Musik machen, Sportangebote gestalten oder kreative Ideen entwickeln.

Demokratie und Beteiligung

Jugendverbände sind Erfahrungsorte demokratischer Praxis. Junge Menschen vertreten Interessen,
wählen, diskutieren, stimmen ab, übernehmen Mandate und erleben, dass Beteiligung Wirkung haben kann.

Warum Bildung in Jugendverbänden wichtig ist

Jugendverbände ergänzen schulische und berufliche Bildung durch eigenständige Lernorte.
Sie ermöglichen non-formale und informelle Bildung in Gemeinschaft, Verantwortung und praktischer Erfahrung.
Dadurch tragen sie zur Persönlichkeitsentwicklung, zur demokratischen Bildung und zur Teilhabe junger Menschen bei.

Dieses Bildungsverständnis ist eine Grundlage der Arbeit des KJR-MYK. Es zeigt, warum Jugendverbände
nicht nur Freizeitangebote machen, sondern wichtige Bildungs-, Beteiligungs- und Erfahrungsräume für junge Menschen schaffen.

Flyer „Wie wir bilden“ zur Bildung in Jugendverbänden

Der Flyer „Wie wir bilden“ fasst zentrale Argumente zur Bildungsleistung der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit zusammen.
Die Vorschau zeigt die Titelseite des Flyers. Per Klick kann das PDF geöffnet und heruntergeladen werden.


Bildung in Jugendverbänden – Titelseite des Flyers „Wie wir bilden“
Flyer „Wie wir bilden“ – Vorschau. Klick zum Öffnen des PDF.


Flyer „Wie wir bilden“ herunterladen

Grundlagen, Hinweise und Links zum Flyer „Wie wir bilden“

Die folgenden Grundlagen, Hinweise und Links beziehen sich auf den Flyer „Wie wir bilden“.
Sie werden bei einer späteren Überarbeitung des Flyers gemeinsam geprüft und aktualisiert.

  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004. Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement. München 2005. Der Bericht steht beim BMFSFJ als Download zur Verfügung: Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004.
  2. Nörber, M.: Ehrenamtlich engagiert. In Amerika selbstverständlich und in Deutschland nicht? In: sozialmagazin, Heft 11/2005, S. 34–41.
  3. Landesjugendring Rheinland-Pfalz: 1. Bildungsgipfel, „Bildung ist mehr als Schule – Kompetenzvermittlung im Jugendverband“, Dokumentation der Ergebnisse, November 2007. Das Dokument gibt es hier als Download: Dokumentation „Bildung ist mehr als Schule“.
  4. Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland: PISA 2000 – Welche Bildung brauchen Kinder und Jugendliche? Beiträge und Perspektiven evangelischer Jugendarbeit, Dokumentation der Fachtagung der aej NRW am 19. März 2002, Düsseldorf 2002.
  5. Düx, W.; Sass, E.: Lernen in informellen Kontexten. Lernpotentiale in Settings des freiwilligen Engagements. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Heft 3/2005, S. 394–411.
  6. Weitere Hinweise zum informellen Lernen wurden im ursprünglichen Flyer berücksichtigt: www.informelles-lernen.de.

Ergänzende aktuelle Fachhinweise

Ergänzend zu den Grundlagen des Flyers verweisen wir außerdem auf aktuelle und weiterhin relevante Fachbezüge
zur Bildungsleistung von Jugendverbänden, non-formaler Bildung, politischer Bildung und Beteiligung.

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